KISS-syndrom / Plagiocephalie

KISS-syndrom

Die  kopfgelenksinduzierte Symmetriestörung schließt einen Symptomenkomplex ein, den wir bei Säuglingen und Kleinkindern finden.

Neben einseitigen Kopfschiefhaltungen werden Trinkunlust, „Schreikinder“, einseitge Bewegungsmuster, Säuglingsskoliosen  und allgemeine Entwicklungsrückstände diesem Syndrom zugeordnet.

Das Verständnis der Blockierungssymptomatik im Bereich der Wirbelsäule hat uns in den letzten Jahren dahin geführt , dass wir solche Symptome Blockierungen besonders im Bereich der Kopfgelenke und des Ileosacralgelenkes auch bei Säuglingen und Kindern zuschreiben können.

Während meiner Zusatzausbildung in Manueller Therapie bei Kindern 1994 konnte ich die „weichen Techniken“ der Wirbelsäulenmobilisation erlernen. Da es hierbei keinen Impulsstoß gibt, hört man kein „Knacken“ und minimiert das Verletzungsrisiko. Es sind also sehr schonende Techniken.

Dennoch ist eine begleitende Physiotherapie zum Ausgleich der muskulären Dysbalancen erforderlich.

Lagedeformitäten des Kopfes beim Säugling : Plagiocephalie

Seit der Einführung  der Rückenlage von Säuglingen zur Vermeidung des plötzlichen Kindstodes 1992 durch die American Academy of Pediatrics kam es zu einem signifikanten Rückgang der Todesfälle.

Allerdings sind seitdem vermehrt Kopfdeformierungen zu verzeichnen, deren Ursache möglicherweise zum Teil auch mit Blockierungen im Kopfgelenksbereich zusammenhängen.


Die ausschließliche Rückenlage kann eine andauernde Kopfhaltung nach einer Seite zur Folge haben.

Durch die einseitige Kopflage kommt es zu einer parallelogrammartigen Verschiebung der Schädelknochen (Plagiocephalie). Infolgedessen entsteht auch eine Deformierung im Kiefergelenksbereich , die durch einen Ohrenschiefstand sichtbar wird. Dabei verschiebt sich der Schädelanteil mit dem Ohr der abgeflachten Hinterkopfseite  nach vorne.

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Helmtherapie

Neben Physiotherapie, craniosacraler Therapie und ggf. manueller Wirbelsäulenmobilisation bei Blockierungen wird in schweren Fällen einer Kopfdeformierung zur Vermeidung von Folgeschäden die Helmtherapie empfohlen.

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Durch eine spezielle Orthese im Sinne eines korrigierenden Helmes nach Abdruck des Kopfes des Säuglings kann die Deformierung korrigiert werden.

Bis maximal 18. Lebensmonat kann eine Beeinflussung der Fehlstellung durch das 23 stündige Tragen des Helmes während des regulären Wachstums erreicht werden.

Durch engmaschige Kontrollen mit den Orthopädietechnikern der Firma Neubert wird der Helm den wachstumsbedingten Änderungen angepasst.

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Durch das fortschreitende Knochenwachstum mit Verschluss der Fontanellen ist eine Spontanheilung bzw. später einsetzende Therapie ohne Aussicht auf Erfolg.

Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen muß individuell beantragt werden.